Weshalb in die Ferne schweifen?

Weshalb in die Ferne schweifen?

Kennen Sie dieses Phänomen, wonach Touristen oder sporadische Besucher*innen Ihre Stadt, in der Sie seit 20 Jahren oder gar seit ihrer Kindheit leben, besser zu kennen scheinen als Sie selbst?

Wohl jeder von uns hat schon mal die Erfahrung gemacht, dass Nicht-Einheimische mitunter informierter über Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele und Kulturtipps in unserer Region sind als wir. Das liegt daran, dass wir die alltägliche Umgebung eben als genau das wahrnehmen und behandeln, was sie ist: gewohnt und irgendwie selbstverständlich. Weshalb wir unsere Komfortzone selten verlassen und lieber in den routinierten Fahrwassern bleiben als unsere Abenteuerlust, den Entdeckergeist oder auch den Lerneffekt vor der eigenen Haustür zu schulen und auszuleben.

Unbekannte Attraktionen

„Ich treffe häufig auf Menschen, die in Paris oder Zürich jedes Museum, jedes angesagte Restaurant und jeden Park kennen. Aber fragt man sie nach Tipps in ihrer Heimatstadt, herrscht zunächst erstmal Ratlosigkeit“, fasst Christa Appelt das Phänomen zusammen. Dahinter steckt, dass wir Aktivitäten oftmals in den Urlaub oder sogar in Businesstrips – und damit in die Fremde bzw. das Ungewohnte – outsourcen, weil wir dort schlicht mehr Zeit oder einen Anlass haben. Die eigene Stadt bzw. das eigene Lebensumfeld wird hingegen mit Arbeit, Verpflichtung und einer gewissen Schmucklosigkeit konnotiert, wo Muße und bewusstes Erleben eher selten Platz haben. Doch warum immer in die Ferne schweifen, um das Außergewöhnliche zu wagen? „Jede Region hat ihre eigenen Reize und Attraktionen.

Durch das Anpeilen von Nahzielen wird das Umweltbewusstsein sensibilisiert

Statt also Reiseführern und Blogs über ferne Ziele zu folgen, lohnt es sich, lieber mal eine Bucket-List mit Orten, Landschaften oder Unternehmungen, die man immer schon mal sehen bzw. angehen wollte, zu erstellen“, rät Christa Appelt. Positiver Nebeneffekt: Durch das Anpeilen von Nahzielen wird zudem das Umweltbewusstsein sensibilisiert, weil erstens Flüge oder weite Fahrten wegfallen. Und sich zweitens durch das intensive Naturerlebnis in unmittelbarer Umgebung vielleicht ein neues Verständnis für Umwelt- und Klimafragen herausbildet.

Die eigene Umgebung mit neuen Augen sehen

Die Möglichkeiten sind dabei nahezu unbegrenzt; das kann von einer Wanderung in bisher unbekanntem Wald-Terrain, dem Wochenendtrip im nächstgelegenem Weinbaugebiet bis hin zur Entdeckung einer Kulturlandschaft in der Nachbarstadt oder dem Anrainer-Bundesland reichen. „Viele kennen das Moseltal, die Heidelandschaften Nordddeutschlands, die Sächsische Schweiz oder die Schlösser des Frankenlands nur vom Hörensagen, obwohl diese quasi vor der Haustür liegen. Und das sind nur die prominenten Beispiele“, so Christa Appelt. Denn es gibt auch unzählige noch relativ unentdeckte Paradiese in nicht allzu großer Distanz. Sowie Tätigkeiten, die man nicht zwangsläufig auf den nächsten Urlaub verschieben muss.

Um es sich schön zu machen, reichen schon die kleinen, nahen Ziele

Warum also den (Wind)Surfkurs nicht in einem Gewässer vor Ort angehen? Naturwunder in der Nähe aufsuchen und sie intensiv erkunden? Endlich mal die Kulturvielfalt in der nächsten Metropolregion kennenlernen und genießen? „Um es sich schön zu machen, reichen schon die kleinen, nahen Ziele. Und dafür muss man auch keine Jahresplanung angehen. Suchen Sie das Besondere, Unbekannte ruhig mal im Umfeld – und lernen Sie dadurch Ihre Umgebung wieder mit ganz neuen Augen zu sehen“, sagt Christa Appelt. Es ist eben nie zu spät das Abenteuer im scheinbar Gewohnten zu entdecken. Und dabei auch noch dem Klima Etwas Gutes zu tun…

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